Der Bürgermeister informiert

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, im März 2018 wurden durch die Baugenossenschaft Familienheim Pforzheim eG dem Gemeinderat der Gemeinde Kieselbronn und der Öffentlichkeit Überlegungen und Vorentwürfe vorgestellt, um in der Wohnsiedlung „Im Reible“ auf den vier im Eigentum der Baugenossenschaft stehenden Grundstücken mit einer Gesamtgröße von 13.639 m² neuen Wohnraum schaffen, der den heutigen modernen Wohnansprüchen und den energetischen Vorgaben gerecht wird.

Hierfür plant die Baugenossenschaft, in den kommenden Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren. Es ist vorgesehen, die außer Betrieb genommene Heizzentrale der ehemaligen amerikanischen Siedlung (Im Reible 17) sowie die Wohngebäude Im Reible 5/7 und 13/15 abzubrechen und mehrere neue Gebäude zu errichten, für welche außerdem Tiefgaragen geplant sind. Am 14. November 2018 wurde durch den Gemeinderat einstimmig der Beschluss zur Neuaufstellung des Bebauungsplans der Innenentwicklung „Wohnsiedlung Reible“ nach § 13a Baugesetzbuch gefasst. Durch die Aufstellung des Bebauungsplans sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung der Planungen zur Nachverdichtung des Gebiets geschaffen werden. Diese Planungen entsprechen der allgemeinen Zielsetzung „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“.

Zur weiteren Erhöhung des Detaillierungsgrades der Planungen und zum Zwecke einer ganzheitlichen und nachhaltigen Betrachtung des Vorhabens haben die Hauptprojektbeteiligten, die Baugenossenschaft Familienheim Pforzheim eG und die Gemeinde Kieselbronn, hier unter anderem in ihrer Rolle als Eigentümerin des Kindergarten- und Vereinsgebäudes Im Reible 2/1, die Erstellung eines Quartiersentwicklungskonzepts für das Gebiet „Im Reible“ beauftragt. Hierbei soll das gesamte Gebiet betrachtet werden. Auch die beiden Bestandsgebäude (Wohnungseigentum) Im Reible 1/3 und 9/11 sowie das Bestandsgebäude im Eigentum der Baugenossenschaft Im Reible 4/6. Die Erarbeitung des Konzepts (Gesamtaufwand 185.640 €) wird im Rahmen des KfW-Förderprogramms „Energetische Stadtsanierung – Integrierte Quartierskonzepte“ mit einem Zuschuss über 120.666 € gefördert. Die nichtgeförderten Kosten teilen sich die Gemeinde Kieselbronn zu 1/3 und die Baugenossenschaft Familienheim Pforzheim zu 2/3.

Die Erstellung eines Quartiersentwicklungskonzepts für das Gebiet „Im Reible“ bietet die einmalige Chance, eine zukunftsfähige und nachhaltige Energieversorgung mit regionaler Wertschöpfung für das Wohngebiet zu entwickeln. Grundlegende Zielsetzung ist eine moderne Wohnaufwertung in Verbindung mit einer annähernd CO2-neutralen Energieversorgung. Im Verbund mit den Wohnungseigentümern und der Baugenossenschaft Familienheim Pforzheim eG, der EnBW und der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG (DSK) erfolgen umfangreiche Untersuchungen zum Bestand und zu möglichen baulichen Entwicklung im Gebiet.

Im Rahmen der Konzepterstellung finden in der Kalenderwoche 26 ab dem 22. Juni 2020 Quartiersbegehungen durch Mitarbeiter der DSK und der EnBW statt. Während dieser Begehungen werden die Gebäude innerhalb des Quartiers von außen betrachtet und Fotoaufnahmen des Baubestandes gemacht. Private Wohnungen müssen hierzu nicht betreten werden, lediglich Heizungsräume oder das Dachgeschoss werden untersucht.

Die erste Phase des Quartierskonzepts „Im Reible“ dient der Bestandsaufnahme der vorhandenen Gebäude. Dabei wird der bauliche Zustand der Gebäudehülle sowie der Stromversorgung, Heizanlage und der Warmwasserbereitung betrachtet und energetische Potenziale innerhalb des Quartieres analysiert. Energetische Potenziale sind hierbei die Art der Heizung, Nah- bzw. Fernwärmenetze, Photovoltaikanlagen und diverse andere Maßnahmen um erneuerbare Energien nachhaltig und sinnvoll für die Anwohner anzuwenden.

Die Eigentümerinnen und Eigentümer sowie alle weiteren Bewohnerinnen und Bewohner des Gebiets werden durch ein persönliches Anschreiben der Gemeindeverwaltung informiert.

Was dürfen Eigentümer der Bestandsimmobilien konkret für Ihre Gebäude erwarten?
Gebäudesanierungsmaßnahmen
Die Erstellung von Mustersanierungskonzepten für konkrete Gebäude umfasst u. a. folgende separate Einzelschritte:

  1. Datenerhebung vor Ort und nach Plan: Geometrie des Gebäudes, technische Gebäudeausrüstung, Hüllflächenaufnahme
  2. Bilddokumentation des Gebäudes
  3. Bedarfsberechnung sowie Abgleich mit Verbrauchsdaten.

Die tatsächliche Berechnung einzelner Sanierungsoptionen und des Energiebedarfs erfolgt auf Grundlage von reellen, bereitgestellten Bauunter-lagen mit einer für diese Zwecke qualifizierten Software, die u. a. auch für die Ausstellung von Energiebedarfsausweisen geeignet ist. Diese sollen dabei folgende Inhalte umfassen:

  • Darstellung des Ist-Zustands inklusive der Bauphysik, des Energiebedarfs und der Gebäudetechnik sowie Aussagen zur energetischen Gebäudequalität,
  • Darstellung von spezifischen Sanierungsoptionen sowohl für einzelne Bauteile als auch für das gesamte Gebäude sowie die Anlagentechnik. Hierbei sollen jeweils mehrere, energetisch unterschiedlich anspruchsvolle Sanierungsvarianten [z . B. nach unterschiedlichen KfW-Effizienzstandards inklusive Anforderungen an Denkmäler; jeweils zwei bis drei Varianten] betrachtet und in ihren Auswirkungen auf die Gesamtkosten, Wirtschaftlichkeit und Einspareffekte verglichen werden. Dargestellt werden in diesem Zusammenhang die Ausgestaltung einzelner Maßnahmen an der Gebäudehülle [z. B. in Form eines Musterquerschnittes für einzelne sanierte Bauteile mit entsprechenden Abmessungen] und deren Auswirkungen auf die thermischen Eigenschaften der Gebäudehülle [z.B. Wärmedurchgangskoeffizient]. Die einzelnen vorgeschlagenen Maßnahmen werden auf ihre Realisierbarkeit mit Vertretern der Denkmalpflege besprochen,
  • Darstellung der einzelnen Sanierungsmaßnahmen in Form eines übersichtlichen Maßnahmenkataloges
  • Quantifizierung der Einspareffekte einzelner Maßnahmen für die Bereiche Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen und Verbrauchskosten
  • einen besonderen Stellenwert wird die Beachtung der Wirtschaftlichkeit einzelner Maßnahmen und das Herausarbeiten von Finanzierungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung bestehender Fördermittelprogramme finden
  • abschließende übersichtliche tabellarische Darstellung aller relevanten Ergebnisse und Paramater inklusive der Kosten, Wirtschaftlichkeit in absoluten und spezifischen [pro m2] Angaben und Aussagen zur Machbarkeit sowie die Bewertung der einzelnen Sanierungs- und Optimierungsmaßnahmen
  • Aussagen zu Möglichkeiten der Gebäudeumgestaltung für altersgerechtes Wohnen und die Gewährleistung der Barrierefreiheit.

Energieversorgungs- und Infrastrukturmaßnahmen
Neben der Senkung des Energiebedarfs der Gebäude spielt die Optimierung der Energieversorgung eine zentrale Rolle. Denn das Erreichen der klimaschutzpolitischen Ziele kann nur mit Hilfe einer nachhaltigen und C02-armen Gestaltung der Energieversorgung gelingen. Die Sanierungsmaßnahmen sollen daher in enger Abstimmung mit den Maßnahmen zur effizienteren Gestaltung der Wärmeversorgung entwickelt werden. Hierbei können sich je nach Gebäudetyp und Lage im Quartier unterschiedliche Versorgungsvarianten als optimal darstellen. Im Rahmen des Maßnahmenkataloges sollen somit sowohl für die einzelnen Gebäudetypen im Quartier als auch die weiteren untersuchten Liegenschaften verschiedene Varianten der Wärmeversorgung betrachtet werden. In diesem Zusammenhang spielen die Darstellung und der Vergleich der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der Heizkosten [z.B. über eine Heizenergievollkostenrechnung] und der klimapolitischen Auswirkungen der einzelnen Versorgungslösungen eine wichtige Rolle.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Heiko Faber
Bürgermeister


Veröffentlicht am Mittwoch, 20. Mai 2020